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Ärztehaus Luisenplatz

Am Brandenburger Tor in Potsdam strahlt ein alter Nachbar in neuem Glanz. Drei denkmalgeschützte Altbauten, deren Giebel Baugeschichte tragen und die nach gebückten Jahren nun wieder über dem Luisenplatz thronen. Die schönen Gebäude haben nach mehrfacher Umgestaltung nun eine sorgfältige Sanierung und technische Aufwertung erhalten. Räume, die zuvor als Wohnungen und Büros genutzt wurden, haben wir in Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde zu einem modernen Ärztehaus umgebaut. Reizvoll gelegen in unmittelbarer Nähe zur belebten Fußgängerzone und dem idyllischen Schlosspark Sanssouci macht es seinem wichtigen Standort endlich wieder alle Ehre.

‚Haus der Bauern’ wurde das unter Denkmalschutz stehende Eckgebäude in den 50er Jahren genannt. Der Stuck war heruntergeschlagen und damit der Glanz reicher Zeiten. In den 90ern wurden die Häuser entgegen dem Wunsch der Denkmalschutzbehörde aufgestockt und verfügen seitdem über vier Obergeschosse. Auch Erker und Balkone bekam der Altbau zurück. Nicht jedoch seinen schmuckvollen Altbaustil, denn der neue Dachbereich wirkte platt und unförmig. Seitdem wir uns der aufwändigen Umgestaltung angenommen haben, schmückt sich die alte Fassade mit neuem Stuck und das plumpe Obergeschoss verschwindet hinter dem liebevoll umgebauten Dach. Im Inneren füllen zeitgemäße Praxen die weitläufigen Etagen, ohne an der Würde des denkmalgeschützten Baus zu kratzen.

Die Kunst bestand darin, den stilvollen Altbau mit seinen charmanten Details in ein modernes, zukunftsfähiges Ärztehaus zu verwandeln. Während wir einerseits das Gebäude bestmöglich erhalten sollten, galt es innen, die Vorgaben des Denkmalschutzes optimal mit den Anforderungen des Bauherren zu vereinbaren. Möglichst geringe Veränderungen standen dem Wunsch nach viel Glas gegenüber – ein planerischer gordischer Knoten für uns, dessen Lösung eine gute Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde erforderte. Wir haben es geschafft, viele alte Elemente der Fassade zu erhalten und das Innere fachgerecht nach den neuen Nutzungsansprüchen zu gestalten. Klassischer Baustil wird betont und lässt gleichzeitig Platz für die Integration moderner Technik. Dies erforderte komplexe Lösungen, mit denen wir aufwändige Installationen wie Behandlungsstühle dezent in die Baustruktur einfügen konnten.

Mit einem planerischen Kunstgriff haben wir den wesentlichen Konflikt brillant gelöst: Ein neues Dach nimmt dem nachträglich aufgestockten Geschoss sein plumpes Äußeres und gibt dem Gebäude seinen Altbaucharme zurück. Der Denkmalschutz zeigte sich begeistert von unserem Konzept, denn das in den 90er Jahren aufgesetzte Geschoss war der Behörde von Anfang an ein Dorn im Auge. Im Gegenzug bestückten wir die Fassade mit Schaufenstern im Erdgeschoss und zeitgemäßen Glasgauben im Dachbereich, um der neuen Nutzung elegant gerecht zu werden. Der Eckbereich des Hauses, der zuvor nur ein unscheinbarer Teil der Fassade war, überragt jetzt als stolzer Turm die restlichen Gebäude (siehe Vorher-Nachher-Ansicht am Seitenanfang). Sämtliches bauzeitliches Detail, das bei vorherigen Sanierungsmaßnahmen am Turm verloren ging, haben wir im Zuge der Umgestaltung wieder hergestellt.

Geschichtsträchtige Schnörkel und Rundungen wurden behutsam instand gesetzt und auch Traufkästen, Konsolen und Verdachungen konnten wir anhand historischer Fotografien originalgetreu restaurieren. Die neue Tür an der Eckseite verschafft dem Altbau einen zusätzlichen Zugang und kann als historischer Nachbau auch denkmalschutztechnisch überzeugen. In Zusammenarbeit mit Herrn Roczen haben wir die drei Häuser bewusst farblich neu gestaltet. Der Kontrast von sandfarbenem Gelb und unaufdringlichem Grau lässt das Ensemble jetzt freundlich und imposant zugleich wirken.

Im Kontrast zur traditionell erhaltenen Fassade ist der Hofbereich mit viel Glas ausgestattet, durch das reichlich Tageslicht in die Praxen dringt. Die neue Erschließung im Innenhof ermöglicht über eine sanft ansteigende Rampe den barrierefreien Zugang zum Hochparterre. Aufzüge erleichtern den Weg in die darüber liegenden Etagen, womit das Gebäude nun vollkommen behindertengerecht ist. In Altbauten können nicht tragende Wände herausgenommen werden, um dadurch großzügige Raumzusammenhänge zu erschaffen. Diesen Vorteil haben wir genutzt, damit geräumige Arztpraxen mit unterschiedlichsten Anforderungen sich in den Etagen einrichten können. Dank der neuen Raumaufteilung dehnen sich diese auf bis zu drei Einheiten je Geschoss aus und bieten Ärzten wie Patienten beeindruckend viel Raum für eine angenehme Behandlungsatmosphäre. Neben der Apotheke und einem kleinen Café im Erdgeschoss beleben auch ein Sanitätshaus, ein Optiker und ein Hörgeräteakustiker die weiten Räumlichkeiten.

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